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18. Preisverleihung der Ludwig-Marum-Stiftung

Im Zeichen von Kriegserfahrung und Flüchtlingsproblematik stand die diesjährige Preisverleihung der Ludwig-Marum-Stiftung am Freitag 22. Januar 2016 im Selmnitzsaal Berghausen. In ihrer Gedenkrede für die Opfer des Nationalsozialismus schlug denn auch Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium Baden-Württemberg, den Bogen von der Zeit der NS-Verfolgung zur gegenwärtigen Situation. „Es ist nicht wieder gutzumachen, aber es ist wichtig, die Konsequenzen zu ziehen“, sagte sie und verwies darauf, dass unser heutiges Asylrecht eine direkte Folgerung aus den Erfahrungen mit der NS-Zeit sei, „im Moment aktueller denn je – und eine Verpflichtung“. „Menschenrechte wie Meinungsfreiheit sind keine rein westlichen Werte, sondern menschliche Grundbedürfnisse, und viele Flüchtlinge kommen, weil sie in ihren Ländern diese Grundrechte nicht haben“, erklärte die Ministerin. Mit dem Blick auf die Übergriffe an Silvester in Köln forderte sie zugleich dazu auf, nicht zu akzeptieren, wenn sich Menschen, egal welcher Nationalität, gegen unsere Rechtsordnung stellen. Ebenso wichtig sei es aber, deutlich zu betonen, dass man jetzt nicht alle Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen dürfe.

Mit der Flüchtlingsproblematik im weiteren Sinne beschäftigt sich auch das Preisträger-Projekt  „Siebenstein – Macht Kinder stark“ aus der Karlsruher Südstadt. Die Initiative  unterstützt muslimische Kinder mit Migrationshintergrund dabei, ein Leben mit Zukunfts- perspektive zu führen. Im Duo würdigten LMG-Lehrerin Mona Jäger und Adina Mitschele aus der Jahrgangsstufe 12 in ihrer Laudatio die sieben übergeordneten Grundwerte von „Siebenstein“, zu denen Nachhilfe, soziale Unterstützung und Beratung der Eltern ebenso gehören wie Spiel und Sport, aber auch das Setzen von Grenzen und die Erziehung zur Toleranz. “Dieser Preis tut gut und ermutigt uns, den eingeschlagenen Weg fortzuführen“, bedankte sich Projektleiterin Daniela Burkard und widmete die Auszeichnung den vielen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Kinderprojekts.

Eine Anerkennung der Ludwig-Marum Stiftung erhielt der letztjährige Seminarkurs „Krieg und Kriegsfolgen“ des LMG (Christina Bischoff, Linda Hauska, Madeleine Mall, Melina Metz, Sabrina Reinhardt, Lisa Schelhorn, Julian Walk). Eine Gruppe der SchülerInnen hatte dazu ein Theaterstück über die Traumatisierung deutscher Soldaten im Einsatz in Afghanistan entworfen, eine zweite Gruppe recherchierte zu dem brisanten Thema „Vergewaltigungen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Karlsruhe“, während die dritte Gruppe zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit dem Thema „Anders sein. Außenseiter der Geschichte“ eine Ausstellung über den Serienmörder Heinrich Pommerenk konzipierte. Die Kursleiter, StD’in Gabriele Hohwieler und OStR Thomas Kühn lobten in ihrer Laudatio die professionelle Recherche und das Engagement der Schüler.

André Fischer-Marum, die Enkelin Ludwig Marums, die wie fast jedes Jahr aus Berlin zu der Feierstunde angereist war, bezeichnete den Einsatz der Preisträger als imponierend. Auch sie zog Parallelen zwischen dem Schicksal von Emigranten wie ihrer Familie während der NS-Zeit und den Flüchtlingen heute: „Eine andere Welt kommt plötzlich zu uns: Menschen, die unserer Solidarität bedürftig sind. Das ist nichts Neues – aber es sollte nicht sein in dieser Welt.“ 

Musikalisch bereicherten die LMG-Schülerinnen Eva und Julia Gäßler den Abend mit einer Kombination der beiden Hits „Flashlight“ von Jessie J und „Photograph“ von Ed Sheeran. Dass man von diesen so harmonisch aufeinander bezogenen Stimmen gerne noch mehr gehört hätte, zeigte Bürgermeisterin Nicola Bodner, indem sie ihren eigenen Blumenstrauß spontan den jungen Sängerinnen schenkte.

 

Christiane Vierthaler

 



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