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Erinnerung an Namensgebung des Ludwig-Marum-Gymnasiums vor 30 Jahren

Der Name galt als „belastet“
Erinnerung an Namensgebung des Ludwig-Marum-Gymnasiums vor 30 Jahren

Pfinztal (ee). Das Ludwig-Marum-Gymnasium (LMG) Pfinztal nahm die vor 30 Jahren erfolgte Namensgebung zum Anlass für eine Feierstunde mit Lesung. Dabei wurde Rückblick gehalten und gleichzeitig der Bogen zur Gegenwart geschlagen, unter dem Leitsatz „Man muss als Lehrer und Schüler des LMG was wissen über Ludwig Marum und sein betrachtenswertes Leben, das bis heute Botschaften aussendet.“

Lange vor 1985 wurde bereits Unterricht gehalten, zunächst am „Gymnasium im Aufbau in Berghausen“ und nach der Gemeindereform 1974 am Gymnasium Pfinztal.

Die Namensgebung selbst war ein langwieriger Prozess, erfuhren die zahlreichen Zuhörer in der voll besetzten Aula. Schließlich wurde der von Schülern gemachte Vorschlag „Ludwig-Marum-Gymnasium“ im Gemeinderat mehrheitlich befürwortet.

Interessant war der Zeitzeugenbericht von Ulrich Wiedmann, der 1972 als Studienassessor an die im Aufbau befindliche Bildungseinrichtung kam und bis zum Ruhestand blieb. Eine des Gymnasiums 1978 zu „40 Jahre Reichsprogromnacht“ brachte die Namensfindung entscheidend voran. An der Schule selbst herrschte damals schon Interesse an jüdischem Schicksal und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mit Ludwig Marum, jüdischer Herkunft, Rechtsanwalt und SPD-Politiker, der 1934 im Konzentrationslager Kislau starb, habe man eine Person ins Gedächtnis zurückzurufen, die sonst wohl vergessen worden wäre, sagte Ulrich Wiedmann. Und dies trotz der damals häufig geäußerten Meinung, der Name Ludwig Marum sei „belastet“.

Für die Familie Marum ließ die Enkelgeneration durch Andrée Fischer-Marum mitteilen, sie schätze es wert, dass der Name des Großvaters vielen im Allgemeinen und am LMG im Besonderen wichtig geblieben ist. Der Kurs „Literatur und Theater“ des LMG unter der Leitung von Christiane Vierthaler zeigte ein szenisches Stimmungsbild aus der NS-Zeit mit Ludwig Marum während seiner Haft in Kislau kurz vor seiner Ermordung am 29. März 1934. „Diese Vergangenheit möge sich nicht wiederholen“, sagte Schulleiterin Elke Engelmann.

Musik trugen die Oberstufenschüler Pauline Berger (Gesang) und Michiel van Steenhoven (Gitarre) bei.
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung „LiteraDur“ kam die Lesung von Marion Tauschwitz zustande. Die Autorin las aus „Selma Merbaum: Ich habe keine Zeit zu Ende zu schreiben“ - über die nur 18 Jahre alt gewordenen Jüdin, die 58 handschriftlich geschriebene Gedichte hinterließ und deren kurzes Leben in einem Zwangsarbeitslager endete.



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